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Bereits in jungen Jahren entdeckte der in Takaishi (Bezirk Osaka) geborene Kenichi Sonoda seine Leidenschaft für das Zeichnen. Sein Erstling, die 1986 entstandene Sportgeschichte Wanna Be's, wurde zwar nur mit mäßigem Erfolg auf dem Videomarkt verkauft, doch mit Gall Force, ebenfalls 1986 als OVA produziert, gelang ihm der Durchbruch zum ernstzunehmenden Charakter Designer. Die Anime-Serie Bubblegum Crisis (1987), die ein Welterfolg wurde, brachte Sonoda schließlich den Ruf eines weit über die Grenzen Japans bekannten Star-Künstlers ein.
Auch Sonodas erste professionelle Manga-Produktion, die im Movic Verlag erschienene Geschichte Private Live stellte sich noch nicht als Durchbruch seiner Kariere da.
Daneben übernahm er auch kleinere, wohl eher persönlich motivierte Aufgaben wie das Zeichnen von Dojinshi, so beispielsweise der Samurai Pizza Cats. Auch in der Videospielindustrie betätigte er sich als Designer von Figuren und entwickelte im Rahmen eines Mah-Jong-Videospieles die Figur Idol Janshi Suchi Pie, für welche er auch Artbooks erstellte. Sonodas bislang letzte Arbeit, der noch nicht abgeschlossene Manga The Cannon God Exaxxion erschien zunächst 1998 in Japan, sehr bald auch in den USA (1999) und in deutscher Übersetzung (2000). Seine AnimesKenichi Sonodas Arbeiten im Rahmen von Animeprojekten beschränkten sich in erster Linie auf rein zeichnerische Aspekte bzw. auf solche der visuellen Präsentation der Figuren. Diese Projekte umfassen die Filme Wanna Be's, Gall Force, Bubblegum Crisis, Otaku No Video in denen er als Character Designer mitwirkte.Wanna Be's, Sonodas Debüt-Anime, war eine Produktion der ARTMIC Studios und basierte auf einer Manga-Vorlage von Toshimitsu Suzuki. Es handelte sich um eine Geschichte über ein in Japan populäres Sportgenre, ergänzt durch Fantasy- und Horrorelemente. In einem Professional-Wrestling-Turnier kommen Miki und Eri, die gemeinsam das Team Wanna Be's bilden, zu dem Schluss, dass sie nur durch ein besonderes Training gegen die ebenso harte wie hinterhältige Konkurrenz bestehen können. Durch ein Wundermittel erhalten sie zwar übermenschliche Kräfte, stellen aber bald fest, dass sie nur als Versuchsobjekte einer skrupellosen Firma dienen. Trotz des mäßigen Erfolges von Wanna Be's verhalf ihm diese Arbeit zum Einstieg in das Anime-Business. Bezeichnend ist im übrigen, dass die Kritiker an Wanna Be's lediglich das von Sonoda verantwortete Charakter Design lobend hervorhoben.
1989 veröffentlichte das Studio Youmex Sonodas erstes komplett selbst entworfenes Werk, Riding Bean - eine Anime-Produktion, deren Figuren, Schauplätze und Stoffe bereits auf die Manga-Serie Gunsmith Cats verweisen. Das Chicago der Gegenwart und die Protagonisten Bean Bandit sowie Rally Vincent. Beide erledigen gemeinsam ihren Job als Fahrer brisanter, in der Regel illegaler, Transporte. Als das Team im Verlauf eines seiner Aufträge in die Entführung einer Millionärstochter verwickelt wird, müssen Rally und Bean um der eigenen reinen Weste willen nicht nur das Mädchen retten, sondern auch die wahren Täter, überführen. Neben der Anime-Version von Gunsmith Cats war Otaku No Video, erschienen 1991 im Studio Gainax, das einzige Filmprojekt Sonodas in den 90er Jahren. Ein gelungener mix aus Realfilm und Anime. Die Realfilmpassagen bieten Interviews, die die jeweiligen persönlichen Erfahrungen und Leidenschaften verschiedenster Otakus dokumentieren, während die von Sonoda mitgestalteten Anime-Sequenzen die fantastische Geschichte eines Otaku namens Kubo erzählen, beginnend mit dem Jahr 1982. Der Protagonist, ein Student, lernt durch seine Freunde die Welt der Otakus kennen und wird allmählich selbst ein Teil ihrer Gesellschaft. Diese vorläufig letzte Anime-Arbeit Kenichi Sonodas besticht weniger durch spektakuläre Requisiten oder atemberaubende Kampfszenen. Den Schwerpunkt verlagerte der Autor in diesem Projekt auf eine detaillierte Präsentation der Figuren, die, im Gegensatz zu früheren Werken, das Publikum ohne Zuhilfenahme spektakulärer Mechas oder wilder Verfolgungsjagden zu beeindrucken wissen - ein Versuch, der als durchaus geglückt bezeichnet werden kann, denn nicht von ungefähr hat die Kritik Otaku No Video als Kultwerk gefeiert, mit welchem die Anime-Industrie ihrer Anhängerschaft ein, nicht ganz ernst zu nehmendes, Denkmal gesetzt habe. Seine MangasSonodas Manga geben ein umfassenderes Bild seines Könnens wieder als es bei den Animationsfilmen der Fall ist. Riding Bean ausgenommen, sind seine Arbeiten im Rahmen der Anime-Projekte lediglich graphische Realisationen von Objekten, die von anderen konzipiert und kontrolliert wurden. Zusammen mit Riding Bean bezeichnet Sonoda selbst die Eigenschöpfungen Gunsmith Cats und The Cannon God Exaxxion als diejenigen Werke, die unter all seinen bisherigen Projekten den höchsten persönlichen Stellenwert besitzen. Dies zeigt sich auch daran, dass der Autor hier seine persönlichen Vorlieben für bestimmte Gegenstände und Motive ausgiebig zur Schau stellt. Dem Vernehmen nach von Kindheit an ein Waffennarr, sammelt er seit Jahren Pistolen und kleinkalibrige Modell/-Feuerwaffen. Da ihm die , restriktive japanischen Gesetzgebung nur Replikate und Luftpistolen zugestand, konnte er sich erst 1991 im Rahmen eines USA-Aufenthalts mit den Originalen vertraut machen.
Obwohl er angeblich nicht einmal einen Führerschein besitzt, gilt eine weitere Vorliebe Sonodas, die prägend in Gunsmith Cats einfließt, dem Automobil. Ebenso wie die Waffen sind sie auffällig detailliert gezeichnet. Allerdings ist ihre Stellenwert im Leben der Figuren doch geringer einzuschätzen, als der jenige der Waffen, denn ausgenommen Rallys Shelby Cobra GT 500 ist der Grad an emotionaler Bindung an und Besessenheit von der Maschine weniger ausgeprägt. Doch legen die Figuren sehr häufig Wert auf den richtigen Wagen und die äußerst dynamisch und realitätsnah inszenierten Verfolgungsszenen zählen zu den Spannungshöhepunkten nicht nur dieses Mangas, sondern seiner Werke generell. Nach den eher realistischen Gunsmith Cats wollte Sonoda offenbar nach vielen Jahren wieder zu den Wurzeln seines Ruhmes zurück, zur Science-Fiction. So entstand 1998 The Cannon God Exaxxion. Die Handlung, die in einer nicht all zu fernen Zukunft auf der Erde spielt, geht von einer spektakulären Begegnung aus: Die Menschen haben einen Nachbarn im Weltall entdeckt, die technisch hochentwickelten Faldianer und diese versorgen die Menschheit mit Produkten ihrer überlegenen Technologie. Dieser Umstand erweist sich jedoch alsbald als eine Falle: Die Faldianer erklären die von ihrer Technologie abhängig gewordene Erde zu ihrer Kolonie und versklaven die Menschheit. Nur der bereits frühzeitig von der Bedrohung durch die vermeintlichen Freunde überzeugte Sechzehnjährige Hoichi Kano und dessen Grossvater, haben die Mittel, um sich der Invasion entgegenzustemmen. Von seinem genialen Großvater mit einem vielseitigen Kampfanzug sowie höchst wandlungsfähigen Roboter-Gehilfinnen und einem Super-Mech ausgerüstet, führt Hoichi einen opferreichen Krieg gegen die Invasoren.
Insgesamt gesehen darf man feststellen, dass Kenichi Sonoda auf bewährte Muster setzt und nur ungern neue Wege einzuschlagen bereit ist - eine Tatsache, die der Autor selbst bereitwillig anerkennt. Weder die Stories noch die Grafik zeigen eine große Bereitschaft zur Innovation und haben sich mehr als ein Jahrzehnt lang nur gering geändert, was jedoch nur wenige seiner Fans, welche an seinem Stil gefallen gefunden haben, stört. Den hervorstechendsten Zug seiner Arbeiten machen jedoch immer noch die äußerst präzisen und detailreichen Darstellungen von Waffen und Maschinen aus - ein Merkmal, das Sonoda als einen handwerklich routinierten, an realistischem Material interessierten Zeichner ausweist. Sonoda legt in der Darstellung seiner Geschichten großen Wert auf eine dynamische Inszenierung der Handlung. Dabei orientiert er sich nicht nur in kameratechnischer Hinsicht, d.h. mit Aspekten wie Blickwinkel und Bildfolge an den zeitgenössischen US-amerikanischen Action-Filmen; auch die Dramaturgie seiner Episoden erinnert teilweise an das einschlägige Hollywood-Kino. Dies spiegelt sich im Verzicht auf lange Einleitungen bzw. Erörterungen von Charakteren und Motiven wieder. Getreu dem filmischen Vorbild bietet er dem Leser stattdessen zwischen den Action-Sequenzen eingeschobene knappe Informationen, die keinen Tempoverlust des Erzählablaufs mit sich bringen. Diese Erzähltechnik kommt den Fähigkeiten und Neigungen Sonodas in zweifacher Hinsicht entgegen. Da er im Laufe der Entstehung einer Geschichte den kreativen Schwerpunkt in der ersten Schaffensphase auf die Actionsequenzen legt, hat er die Möglichkeit, diese durch wenig aufwendige Story-Elemente miteinander zu verknüpfen und einen Spannungsbogen aufzubauen. Der zweite Vorteil besteht darin, dass er seine Charaktere als in ihren Eigenschaften unveränderbare, ‚Stehende Figuren' anlegen kann - ein Umstand, der für den Autor auch insofern von größtem Vorteil ist, da er freimütig bekennt, sich kaum in die Psyche seiner zahlreichen weiblichen Figuren einfühlen zu können. Sinan Kement/Ken Hopkins
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